Razer packt die GTX 1060 in ein meisterhaftes Alu-Gehäuse und spendiert dem neuen Blade prima Eingabegeräte, Thunderbolt 3 und einen tollen IGZO-Bildschirm. Was soll da noch schiefgehen? Die Antwort ist ernüchternd: Neben einigen kleineren Ärgernissen bleibt vor allem die Gaming-Performance hinter den Erwartungen zurück. Was ist da los?
Kompakte 14-Zöller mit echten Gaming-Qualitäten sind rar gesät. In den letzten Jahren wurden derartige Notebooks außer von Razer nur von folgenden Herstellern angeboten: MSI, Alienware, Clevo und Gigabyte. 2013 hatten wir den “Vorgänger” des aktuellen Razer Blade (2016) im Test. Am Gehäuse hat sich seitdem augenscheinlich nichts bzw. wenig verändert, Display und Innenleben sind natürlich aktueller Technik gewichen.

Während das letzte Refresh vom Frühjahr 2016 schon mit einer Skylake CPU, Thunderbolt 3 (per USB Typ C) und einer über PCIe angebundenen SSD aufwarten konnte, ist es bei der Nvidia GeForce GTX 970M geblieben. Den Schritt zur aktuellen Pascal Generation in Form der Nvidia GeForce GTX 1060 vollzieht Razer nun mit dem neuen Blade von Ende 2016.

Unser Testsample kommt mit englischem Tastaturlayout, ist hierzulande aber mit deutschem erhältlich. Insgesamt stehen sechs Varianten zur Auswahl, die durch die Kombination von zwei möglichen Bildschirmen mit drei unterschiedlich großen SSDs zustande kommen. Unser Testgerät verfügt über einen mit 3.200 x 1.800 Pixel auflösenden, spiegelnden IGZO-Touchscreen, alternativ kann ein matter Full-HD-Bildschirm gewählt werden, was wir u. a. im Hinblick auf die relativ geringe Bildschirmgröße und die Leistungsfähigkeit der verbauten Grafikkarte für sinnvoller halten. Dazu später mehr.

Bei den SSDs kann man sich für Kapazitäten von 256 GB, 512 GB oder 1 TB entscheiden. Die Preise fangen bei rund 2.000 Euro für das günstigste Modell mit 1080p und 256-GB-SSD an und reichen bis zu 3.000 Euro für das QHD+-Modell mit 1-TB-SSD. Für die hochauflösenden Varianten wandern je nach Modell 300 oder 400 Euro mehr über den Tresen als bei den Full-HD-Pendants. Gehäuse, Anschlüsse, CPU (Intel Core i7-6700HQ), 16 GB RAM, die GTX 1060 mit 6 GB Grafikspeicher sowie alle sonstigen Ausstattungsmerkmale haben alle Editionen gemeinsam. Akku HP Pavilion dm1 .

Mangels Auswahl waren die Vergleichs-Gamer für diesen Test schnell gefunden. Neben zwei 14-Zoll-Notebooks haben wir zur besseren Vergleichbarkeit noch einen größeren Gaming-Laptop auf Basis der GeForce GTX 1070 hinzugezogen. Die alle mit einem i7-6700HQ ausgestatteten Kandidaten sind:
Razer trumpft nach eigenen Angaben mit einem Aluminium-Unibody-Gehäuse auf, das mit nur 17,9 Millimetern für einen Gamer in der Tat außergewöhnlich flach ausgefallen ist. Echte Unibodys sind komplett aus einem Metallblock gefräst und weisen im Gegensatz zum Testgerät keine abnehmbare Bodenplatte auf. Der Stabilität tut das aber keinen Abbruch. Auch mit aller Kraft lässt sich die Base nicht einen Millimeter verwinden, was bei anderen Geräten fast nie vorkommt. Es handelt sich zweifelsfrei um das solideste und am hochwertigsten wirkende Gehäuse, das der Tester bisher in Augenschein nehmen durfte. Dazu passt der ebenfalls ungesehen steife und komplett druckresistente Deckel, der sich kaum aus der Form bringen lässt. Abgerundet wird die herausragende Vorstellung durch das nahezu perfekt abgestimmte Scharnier, das bei ruckartigen Bewegungen so gut wie gar nicht nachschwingt, aber trotzdem das einhändige Öffnen des Deckels ermöglicht.

Das Design mag wie immer Geschmackssache sein, aber der Tester kann sich perfekt mit dem komplett in mattschwarzen, leider für Fingerabdrücke anfälligen Oberflächen gehaltenen Block mit seinen abgerundeten Ecken und nur leicht entgrateten Kanten anfreunden. Damit Letztere nicht unangenehm in die Handballen drücken können, hat Razer die Kante vor dem Touchpad ergonomisch abgeschrägt – prima. Insgesamt wirkt das Design schlicht, sehr markant und vor allem maskulin. Optische Akzente setzen die beiden rechts und links des Keyboards angeordneten Lautsprecher mit ihren feinen Lochgittern sowie die in der Mitte optisch abgesetzte Deckelrückseite mit dem auffälligen Razer-Tribal-Logo, das auf Wunsch in verschiedenen Farben erstrahlen kann.
Hier haben wir den 15-Zöller aus dem Größenvergleich entfernt. Unter den drei Notebooks im Test weist das Razer Blade in allen drei Dimensionen die geringsten Abmessungen auf, nur die Breite ist identisch mit der des geringfügig leichteren MSI. Das Schenker belegt die größte Grundfläche, ist mit 25 Millimetern am dicksten und mit 2,2 kg auch am schwersten.
Viele Spieler ziehen Kabel-Ethernet beim Zocken wegen der geringeren Störungsanfälligkeit und des ggf. niedrigeren Pings einer WLAN-Verbindung vor. Gibt es beim Razer Blade aber nicht, und auch ein Kartenleser fehlt. Ansonsten ist alles an Bord, was man so braucht. Neben 2x USB 3.0 steht Thunderbolt 3 über USB Typ C zur Verfügung. Der HDMI-2.0-Ausgang kann 4K-Videos auf geeigneten externen Wiedergabegeräten mit 60 Hz darstellen. Akku HP ProBook 6540b .

Herkömmliche Headsets finden keinen Anschluss, da nur ein kombinierter Ein- und Ausgang vorhanden ist. Bei ausreichend bemessenen Abständen konnte Razer alle Anschlüsse an den hinteren Seiten platzieren, wo z. B. bei Verwendung einer externen Maus weniger Gefahr von Kollisionen mit Kabeln oder Sticks besteht.
Wenn schon kein Ethernet vorhanden ist, muss die WLAN-Performance natürlich passen. Razer hat sich für das für Spieler prädestinierte, feature-starke und umfangreich konfigurierbare Modul Killer Wireless-AC 1535 (Screenshot) entschieden, das wir hier ausführlich unter die Lupe genommen haben. Es beherrscht neben den herkömmlichen Standards im oft hoffnungslos überfüllten 2,4-GHz-Band auch den aktuellen Standard ac, der ausschließlich im immer noch viel weniger frequentierten 5-GHz-Band unterwegs ist. Bluetooth wird in der Version 4.1 unterstützt.

Dank MIMO-2×2-Konfiguration liegt die theoretisch erreichbare Bruttodatenrate bei maximal 866 MBit/s. Unter idealen Bedingungen (ein Meter Abstand zum Router) konnten wir sehr ordentliche 646 MBit/s beim Empfangen und 591 MBit/s beim Senden erreichen.
Neben dem unverzichtbaren Netzteil mit 165 Watt Nennleistung und einem Mikrofasertuch lagen in der Verpackung nur die üblichen Einrichtungs- und Garantiehinweise. Speziell für das Razer Blade entworfenes Zubehör scheint der Hersteller nicht anzubieten.
Eine Wartungsklappe fehlt, und der Akku kann nicht von außen entnommen werden. Dennoch ist der Zugang zu den Innereien (Foto: Galerie unter “Gehäuse”) kein Hexenwerk, dazu muss man nur die zehn Torx-Schrauben an der Unterseite lösen und die Bodenplatte abnehmen, was uns problemlos gelang.

Da Razer das Blade jetzt auch in Deutschland vertreibt, gilt neben der nur einjährigen Herstellergarantie auch die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren mit Beweislastumkehr nach sechs Monaten.
Da das Keyboard im US-Layout ebenso breit ist wie bei einer herkömmlichen Desktop-Tastatur, bieten die Größen und Abstände der flachen und nur leicht rutschhemmenden Tasten keinen Anlass zu Verrenkungen. Grund zur Kritik gibt die anorektische Beschriftung. Hier hätten größere und dickere Zeichen die suboptimale Ablesbarkeit verbessern können. Besonders gilt das für die viel zu kleinen und kontrastarmen Zweitbeschriftungen der doppelt belegten Tasten, die zu allem Überfluss nicht mit beleuchtet werden. Abgesehen davon, dass die zum Teil halbierten Cursor-Tasten unten rechts in die Tastatur integriert wurden, bietet das Layout noch weitere Überraschungen. So sind etwa die Satzzeichen, Sonderzeichen und mathematischen Operatoren nicht alle dort zu finden, wo man sie sonst vermutet. Hier muss mit einer längeren Umgewöhnungsphase gerechnet werden.Akku HP Pavilion g6 .

Um die Tastatur in der Mitte eindrücken zu können, braucht man viel mehr Kraft, als während des Schreibens auftritt. Bei einem recht flachen Hub präsentiert sich ein gut spürbarer, wenn auch nicht eben knackiger Druckpunkt und ein nur leicht abgefederter Anschlag, was dem Tester entgegenkommt, andererseits aber für vorzeitige Ermüdungserscheinungen sorgen kann. Insgesamt hätte das Feedback beim Schreiben noch etwas deutlicher ausfallen können. Die Geräuschkulisse erlaubt den eingeschränkten Einsatz in lärmsensiblen Umgebungen.